„Ich bin Frankfurterin und komme aus…“

Von Doris Stickler – 1. Dezember 2012

Biografische Workshops zum Austausch von Migrationserfahrungen

Weihnachten in Deutschland war für Claudia Macauley Grund, die Koffer zu packen. Im Rahmen eines christlichen Austauschprogramms war sie 1988 nach Frankfurt gekommen, aber sie vermisste die Ausgelassenheit, mit der das Fest im westafrikanischen Sierra Leone gefeiert wird. Erst auf Zureden ihrer Gastfamilie packte sie damals die Koffer wieder aus und blieb – bis heute.

Längst ist ihr Deutschland zur Heimat geworden, hier hat sie zwei Kinder geboren und arbeitet als pädagogische Hilfskraft in einer Kindertagesstätte. Im Biografie-Workshop „Ich bin Frankfurterin und komme aus…“ ließ sie ihre Erfahrungen Revue passieren. Frauen, die ursprünglich aus Eritrea, Polen, Frankreich, der Türkei und dem Iran stammen, kamen auf Einladung der evangelischen Erwachsenenbildung zusammen.

Dass sich trotz ihrer sehr unterschiedlichen Hintergründe die Schwierigkeiten des Fußfassens derart ähneln, hätte Claudia nicht gedacht. Bei den Treffen habe sie viel gelernt, weil „die Gespräche zum Teil sehr in die Tiefe“ gingen. Auch Patricia Bohn musste wiederholt über ihren Schatten springen. Zu erleben, wie hilflos sie ohne ausreichenden Wortschatz ist, machte der Sozialpädagogin lange zu schaffen. Es sei schwer gewesen, Anerkennung zu finden und „sich selbst treu zu bleiben“.Dabei habe sie als Französin, die mit einem Deutschen verheiratet ist, sogar „ideale Integrationsbedingungen“ gehabt.

In der Fremde zurechtkommen zu müssen, das ist zumindest anfangs meist mit unangenehmen Erlebnissen verknüpft, die im Gedächtnis fest verankert bleiben. Erzählt wird davon jedoch nur selten, sagt die Pädagogin Christa Hengsbach, die die „Reise durch das Leben“ veranstaltet hat. Bei Gesprächen oder mit Hilfe von szenischen Spielen endeckten Migrantinnen nicht nur viele Gemeinsamkeiten, der Austausch mache ihnen auch bewusst, wie bereichernd es ist, zwei Kulturen zu kennen und dadurch einen weiten Horizont zu besitzen.

Dass die zwischen 40 und 60 Jahre alten Teilnehmerinnen „zunehmend aufgetaut und kreativ geworden“ sind, schreibt Hengsbach der „biografischen Spurensuche“ zu. Dieser offene Ansatz – jeder Frau bleibt selbst überlassen, wann sie was erzählen möchte – stärke das Selbstwertgefühl und gewähre Enttäuschungen und Schmerzen ebenso Raum wie Sehnsüchten und Hoffnungen. Von den Besonderheiten verschiedener Länder sowie den Gründen zu erfahren, warum sie verlassen wurden, fördere die gegenseitige Wertschätzung und räume Vorurteile aus.

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